Kleine Fotoschule · Kapitel 1

Die Kamera
verstehen.

Je besser du deine Kamera kennst, desto weniger steht sie dir beim Fotografieren im Weg.

Lektion starten
Schnittbild einer Kamera mit Objektiv, Blende, Verschluss und Sensor

Kapitel 01 — Grundlagen

Eine moderne Kamera ist ein kleines technisches Wunderwerk. Trotzdem beruht sie auf einem erstaunlich einfachen Prinzip: Licht fällt durch eine Öffnung, wird vom Objektiv gebündelt und auf dem Sensor aufgezeichnet.

01

Alles beginnt mit Licht

Das Grundprinzip der Fotografie lässt sich mit einer Lochkamera erklären. Ein dunkler Raum besitzt nur eine winzige Öffnung. Durch dieses Loch fällt Licht von aussen hinein und erzeugt auf der gegenüberliegenden Seite ein auf dem Kopf stehendes Bild.

Eine moderne Kamera arbeitet nach demselben Prinzip, nur präziser:

  1. Objektivsammelt und bündelt das Licht.
  2. Blenderegelt, wie viel Licht eintritt.
  3. Verschlussbestimmt die Belichtungsdauer.
  4. Sensorwandelt Licht in Bildinformationen um.
  5. Kameraverarbeitet und speichert das Bild.
Schnittbild einer Kamera: Das Licht wird durch die Linsen und die Blende bis zum Sensor geführt
Vom Lichtstrahl zum Foto: Objektiv, Blende, Verschluss und Sensor arbeiten als System zusammen.
Merksatz: Blende, Verschlusszeit und ISO bestimmen gemeinsam die Belichtung.

02

Der Sensor — das Herz der Kamera

Der Sensor übernimmt heute die Aufgabe, die früher der Film hatte. Millionen lichtempfindlicher Bildpunkte erfassen Helligkeit und Farbe. Daraus berechnet die Kamera das digitale Foto.

Mehr Megapixel sind nicht automatisch besser

Viele Megapixel ermöglichen grosse Ausdrucke und stärkere Ausschnitte. Sie garantieren aber noch kein gutes Bild. Mindestens ebenso wichtig sind ein gutes Objektiv, korrekt gesetzter Fokus, eine ruhige Kamerahaltung, passendes Licht und eine durchdachte Bildgestaltung.

Eine saubere Aufnahme mit 20 oder 24 Megapixeln wirkt besser als ein verwackeltes Bild mit 50 Megapixeln.

Die Sensorgrösse

Ein grösserer Sensor kann mehr Licht aufnehmen. Das bringt vor allem bei wenig Licht Vorteile und ermöglicht eine geringere Schärfentiefe. Kleinere Sensoren erlauben dafür oft leichtere und kompaktere Kamerasysteme.

Vier unterschiedlich grosse Kamerasensoren im direkten Vergleich
Sensoren gibt es in verschiedenen Grössen. Entscheidend ist nicht nur die Grösse, sondern was und wie du fotografieren möchtest.
Praxistipp

Bei Landschaften vom Stativ ist der niedrigste reguläre ISO-Wert deiner Kamera ein guter Ausgangspunkt — häufig ISO 100.

03

Der Verschluss — kurz, lang oder lautlos

Die Verschlusszeit bestimmt, wie lange der Sensor belichtet wird. Eine kurze Zeit friert Bewegungen ein, eine lange lässt Bewegungen verschwimmen.

MotivRichtwert
Ruhige Landschaft vom Stativfrei wählbar
Gehende Personetwa 1/250 s
Schnelles Tier oder Sport1/1000 s oder kürzer
Fliessendes Wasser weich darstellen1/4 s bis mehrere Sekunden

Diese Werte sind Startpunkte, keine eisernen Gesetze. Wind, Bewegung, Brennweite und Bildstabilisator verändern die Situation.

Ein Bergbach mit kurzer und langer Verschlusszeit: links eingefrorene Wassertropfen, rechts weich fliessendes Wasser
Dasselbe Motiv, zwei Wirkungen: Eine kurze Verschlusszeit friert Wasser ein, eine lange lässt es weich fliessen.

Mechanischer Verschluss

Verschlusslamellen bewegen sich vor dem Sensor. Diese Variante ist zuverlässig und eignet sich für die meisten Motive.

Elektronischer Verschluss

Er arbeitet geräuschlos. Bei schnellen Bewegungen können jedoch Verzerrungen und unter Kunstlicht Streifen entstehen.

04

Spiegellose Systemkamera

Bei einer spiegellosen Kamera gelangt das Licht direkt auf den Sensor. Das Sucherbild wird elektronisch erzeugt.

  • Belichtung und Weissabgleich sind vor der Aufnahme sichtbar.
  • Der Autofokus kann einen grossen Teil des Bildfeldes abdecken.
  • Gesichts- und Augenerkennung erleichtern Porträts und Tierbilder.
  • Fotos und Videos lassen sich komfortabel aufnehmen.

Ein elektronischer Sucher benötigt Strom. Ein geladener Ersatzakku gehört deshalb bei längeren Fototouren ins Gepäck.

05

RAW oder JPEG?

JPEG

Die Kamera entwickelt das Bild intern. Farbe, Kontrast, Schärfung und Rauschreduzierung werden angewendet. Die Datei ist klein und sofort verwendbar, bietet aber weniger Spielraum.

RAW

Eine RAW-Datei enthält mehr ursprüngliche Sensordaten. Schatten, Lichter und Weissabgleich lassen sich später besser anpassen. Dafür muss das Bild entwickelt werden.

Bildliche Gegenüberstellung von RAW-Daten und einem fertig entwickelten Foto
RAW bewahrt mehr ursprüngliche Bildinformationen. JPEG ist bereits stärker verarbeitet und sofort einsatzbereit.
Kurz gesagt: JPEG ist das fertige Gericht. RAW sind die hochwertigen Zutaten, aus denen du dein Bild selbst zubereitest.

06

Sinnvolle Grundeinstellungen

EinstellungEmpfehlung
DateiformatRAW, verlustfrei komprimiert
BelichtungsprogrammA — Zeitautomatik
Blendef/8 als Ausgangspunkt
ISOISO 100, bei Bedarf ISO-Automatik
WeissabgleichAutomatisch
FokusmodusAF-S bei ruhigen Motiven
MessfeldEinzelfeld oder kleines Messfeld
BildstabilisatorEin aus der Hand, aus auf stabilem Stativ

Warum Modus A?

Im Modus A wählst du die Blende, die Kamera berechnet dazu die Verschlusszeit. Das ist für Landschaftsfotografie praktisch, weil du die Schärfentiefe direkt kontrollierst.

Wann ISO-Automatik sinnvoll ist

Wenn du ohne Stativ unterwegs bist oder das Licht schnell wechselt, verhindert die ISO-Automatik zu lange Verschlusszeiten. Lege zusätzlich eine passende längste Verschlusszeit fest.

07

Pflege und Zubehör

Sensor kontrollieren

  1. Fotografiere eine gleichmässig helle Fläche.
  2. Stelle Blende f/16 ein.
  3. Fokussiere absichtlich unscharf.
  4. Kontrolliere das Bild am Bildschirm.

Nutze zuerst die kamerainterne Sensorreinigung. Eine manuelle Nassreinigung solltest du nur durchführen, wenn du genau weisst, wie es geht. Im Zweifel ist der Fachhandel die sichere Wahl.

Ersatzakku

Kälte, Display und elektronischer Sucher benötigen Energie.

Speicherkarte

Formatiere sie erst, wenn alle Bilder sicher übertragen wurden.

Stativ

Hilft bei langen Belichtungen, niedrigen ISO-Werten und präziser Gestaltung.

Kameratasche

Regenschutz, Tragekomfort und schneller Zugriff zählen mehr als maximale Grösse.

08

Bilder sichern — bevor es weh tut

Eine Speicherkarte ist kein dauerhaftes Archiv. Übertrage deine Fotos nach jeder Tour und sichere sie mindestens doppelt.

3

Kopien wichtiger Bilder

2

unterschiedliche Speichermedien

1

Kopie an einem anderen Ort

Zum Ausprobieren

Fotoübung: Brennweiten vergleichen

Nimm dasselbe Motiv mit unterschiedlichen Brennweiten auf. Verändere nicht nur den Zoom: Gehe vor, zurück und seitlich. Achte darauf, wie sich Vordergrund, Hintergrund und Bildwirkung verändern.

Modus ABlende f/8ISO 100 oder AutomatikAF-SRAW

Wähle danach nicht einfach das technisch schärfste Bild, sondern jenes mit der klarsten Wirkung. Frage dich: Wohin schaut mein Auge zuerst?

Als Nächstes

Kapitel 2: Objektive und Brennweite

Warum wirkt ein Berg mit langer Brennweite so mächtig? Wann ist ein Weitwinkel wirklich die beste Wahl? Das nächste Kapitel führt durch Bildwinkel, Perspektive, Blende und Schärfentiefe.

Kapitel 2 öffnen